Heilige Drei Könige: Die Weisen aus dem Morgenland

Heilige Drei Könige: Die Weisen aus dem Morgenland
Heilige Drei Könige: Die Weisen aus dem Morgenland
 
Die Geschichte der Heiligen Drei Könige entwickelte sich, indem zunächst der biblische Text von den Magiern aus dem Morgenland ausgelegt und alsbald die Figuren mit allerlei Eigenschaften ausgestattet wurden; damit wurde die Grundlage ihrer Verehrung als Vorbilder der Gottesverehrung geschaffen. Die Darstellungen der Heiligen Drei Könige in der bildenden Kunst machten diese Entwicklung mit und zeigte die Figuren als Repräsentanten der drei Lebensalter und der drei damals bekannten Erdteile. Schließlich wurde die Entwicklung in der Dreikönigslegende des Johannes von Hildesheim zusammengefasst. Unterdessen durften die Figuren in nach ihnen benannten geistlichen Dramen die Hauptrollen spielen, nämlich in den Magier- und Dreikönigsspielen. In früheren Zeiten waren vor dem Dreikönigsfest dämonische Figuren unterwegs, vor deren Gefahren man sich durch magische Riten zu schützen versuchte. Und in Gegenden, in denen das Sternsingen noch oder wieder gepflegt wird, erscheinen noch heute alljährlich die Heiligen Drei Könige samt ihrem funkelnden Leitstern, singen Lieder, bringen kirchlichen Segen und sammeln christliche Spenden. Während die Spenden einst den armseligen Sternsingern als Lohn zustanden, kommen sie heute wohltätigen Zwecken zugute.
 
 Geschichte der Heiligen Drei Könige
 
Die biblische Geschichte der Weisen aus dem Morgenland findet sich im 2. Kapitel des Matthäusevangeliums; sie folgt unmittelbar auf die Vorgeschichte von der Geburt Jesu: die geweissagte Schwangerschaft der Jungfrau Maria durch den Einfluss des Heiligen Geistes und die geträumte Botschaft eines Engels des Herrn von der Geburt des Menschenerlösers Jesus.
 
Waren die Weisen in der biblischen Geschichte noch ungezählt und ungenannt sowie offenbar als Sternkundige dargestellt, so wurden sie im Laufe der Zeit als Heilige Drei Könige ausgezeichnet und mit Namen sowie mit mehreren Attributen ausgestattet: Im 5. Jahrhundert ermittelte man, von der Dreizahl der Gaben ausgehend, die Dreiheit der Gabenbringer und erhob die Weisen, alttestamentlichen Prophezeiungen folgend (v. a. Psalm 72, 10—15; Jesaja 49, 23), zu Königen; im 8. Jahrhundert erhielten sie die Namen Caspar, Melchior und Balthasar und es wurden ihnen besondere Merkmale zugeteilt. Damit waren die Voraussetzungen dafür gegeben, dass die Drei Könige beim Epiphaniefest mehr und mehr in den Mittelpunkt rücken und als Vorbilder richtiger, gläubiger und tätiger Gottesverehrung vorgeführt werden konnten bzw. dass umgekehrt der Volksglaube das Herrenfest Epiphanias zum Heiligenfest der Drei Könige umdeuten und dieses mit allerlei Kulten anreichern konnte.
 
An der kultischen Verehrung der solcherart avancierten biblischen Figuren nahm freilich auch die Kirche Anteil. So ließ der Erzbischof von Köln und frühere Reichskanzler des Kaisers Friedrich I. Barbarossa, Rainald von Dassel, 1164 die angeblichen Überreste der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln überführen, die dort im Dom in einem prachtvollen Reliquienschrein aufbewahrt werden: dem berühmten Dreikönigsschrein, der 1181 bis 1230 größtenteils in der Werkstatt des Goldschmieds Nikolaus von Verdun angefertigt wurde. Diesen importierten Reliquien hatte Köln den Aufstieg zu einem bedeutenden Pilgerort zu verdanken.
 
 Darstellungen der Heiligen Drei Könige
 
Die Darstellungen der biblischen Figuren in der bildenden Kunst machten den Wandel von den Weisen aus dem Morgenland zu den Heiligen Drei Königen mit: Waren die biblischen Figuren bis zum Mittelalter noch als persische Magier abgebildet, so wurden sie seit dem frühen Mittelalter als Könige wiedergegeben, bis zum späten Mittelalter mehr und mehr typisiert und detailliert ausgestaltet und überdies oft mit fantastischem Prunk und exotischen Motiven ausgeschmückt.
 
Viele mittelalterliche Darstellungstypen und -details der Heiligen Drei Könige, die sich etwa auf Altarbildern und Buchillustrationen finden, gehen letztlich auf die legendarische Schrift des angelsächsischen Benediktiners und Gelehrten Beda Venerabilis (um 673 bis 735) »Über den Stern und die Weisen« (um 700) zurück. In ihr sind die namentlich genannten Magier mit zahlreichen Eigenschaften versehen, es sind ihnen die drei Gaben zugeordnet, und sie sind als Vertreter dreier Lebensalter sowie der drei damals bekannten Erdteile vorgestellt: Melchior sei ein Greis mit grauem Haar, reichlich langen Bart- und Haupthaaren, trage eine purpurrote Tunika und einen kurzen grünen Mantel; er reiche dem Jesuskind Gold dar und komme aus Europa. Balthasar, mit dunklen Haaren und vollbärtig, trage eine rote Tunika mit einem weißlichen, kurzen Mantel; er habe Myrrhe aus Asien mitgebracht. Caspar sei ein bartloser Jüngling von rötlicher Haarfarbe, trage eine grünliche Tunika mit rotem, kurzem Mantel; er gebe Weihrauch und stamme aus Afrika. Die Zuschreibungen ändern sich freilich in der Folgezeit noch öfters, und Caspar wird ab dem 14. Jahrhundert zunehmend als Schwarzer angesehen bzw. abgebildet.
 
Manche der von Beda Venerabilis beschriebenen Details, jedenfalls aber die Typisierung der Heiligen Drei Könige als Repräsentanten dreier Lebensalter und dreier Erdteile kann man auf Gemälden der Frührenaissance wieder finden. So sind auf Masaccios Gemälde »Anbetung der Könige« (1426) die Heiligen Drei Könige, allesamt mit gefalteten Händen dem Jesuskind zugewandt, deutlich nach dem Alter angeordnet: Der Greis mit grauem Haupt- und Barthaar kniet gebückt vor dem Jesuskind und küsst dessen Füße, der mittlere mit dunklem Haar und Vollbart kniet aufrecht hinter ihm, und zuletzt schreitet der bartlose Jüngling mit rötlichen Haaren und einem kurzen, roten Mantel daher.
 
Auf dem kunst- und wirkungsgeschichtlich höchst bedeutsamen Altarbild von Stephan Lochner im Kölner Dom, dem »Dreikönigsaltar« (um 1442), sind die Heiligen Drei Könige mit ähnlichen Merkmalen gezeigt, aber um die in der Mitte thronende Madonna mit dem Kind herum gruppiert. Wiederum kniet der Älteste am tiefsten und ist dem Kind am nächsten; nur er, der Europäer Balthasar, faltet die Hände. Seine Gabe, ein edelsteingeschmücktes Kästchen, hat er abgesetzt. Der Mittlere, Melchior, kniet ihm gegenüber auf der anderen Seite des Throns; er hält einen goldenen Stängelpokal in den Händen. Hinter ihm steht der Jüngste, Caspar, der einen Goldpokal in der Hand hält. Gefolgsleute der Könige tragen Standarten, die auf die drei Erdteile verweisen. Das Altarbild Stephan Lochners stellt die Anbetungsszene vorbildlich dar: Die Drei Heiligen Könige stehen als Vertreter der drei Lebensalter und der drei Erdteile für die gesamte Menschheit und sind als Vorbilder der Gottesverehrung zu sehen.
 
 Die Dreikönigslegende des Johannes von Hildesheim
 
Die oben erwähnte Überführung der Überreste der Heiligen Drei Könige bot 200 Jahre später den Anlass für die Entstehung eines Geschichtsbuchs über die Heiligen Drei Könige, das sich in den folgenden Jahrhunderten zum grundlegenden Quellenwerk der Dreikönigsverehrung entwickeln und die Dreikönigslegende in ganz Europa verbreiten sollte: Aus Anlass des 200-jährigen Jubiläums des besagten Reliquienimports beauftragte 1364 der Bischof von Münster Florentius von Wevelkoven den Karmeliterprior und erprobten Schriftsteller Johannes von Hildesheim damit, ein Geschichtsbuch über die Heiligen Drei Könige zu verfassen, das zur Belehrung und Erbauung von Klerikern wie Laien dienen sollte. Johannes von Hildesheim gelang es in der Tat, aus den verstreuten Berichten und Erzählungen über die Heiligen Drei Könige ein lehrreiches und unterhaltsames Werk zu erstellen, das denn auch erfolgreich war: Seine »Historia trium regnum«, zu Deutsch »Geschichte der Drei Könige«, wurde zunächst in unzähligen lateinischen Abschriften verbreitet, in mehrere Sprachen übersetzt, 1476 in Deutsch, 1477 in Lateinisch erstmals gedruckt und danach mehrfach wieder aufgelegt.
 
Die Bedeutung der Heiligen Drei Könige ist nach Johannes von Hildesheims Legende besonders darin zu sehen, dass sie die ersten Gläubigen aus der Heidenschar gewesen seien, d. h. die ersten Heiden, die den menschgewordenen Gottessohn aufgesucht und angebetet hätten. Damit schienen die Heiligen Drei Könige als Vorbilder eines gottgefälligen Lebens geeignet. Die Bedeutung der Dreikönigslegende des Johannes von Hildesheim liegt für uns heute allerdings in erster Linie darin, dass sie eine wichtige Quellensammlung vieler Dreikönigsgeschichten und der daraus entsprungenen Dreikönigsbräuche darstellt.
 
 Magier- und Dreikönigsspiele
 
Die im Matthäusevangelium erzählte Geschichte der Weisen aus dem Morgenland wurde ab dem 11. Jahrhundert als dramatisches Spiel gestaltet. Die Geschichte schien dazu wie geschaffen: Sie wies bereits eine spannende Handlung sowie wechselnde Schauplätze auf; und der herrschsüchtige, hinterlistige König und Kindermörder Herodes bot sich als Gegenspieler der demütigen, gläubigen Weisen und Gottesverehrer geradezu an. Die frühesten Magier- bzw. Herodesspiele stammen aus Frankreich (Limoges, Orléans u. a.) und Deutschland (Freising); sie waren aus der liturgischen Feier des Epiphaniefestes hervorgegangen, in lateinischer Sprache niedergeschrieben und wurden als oratorienähnliche Gesangsdramen aufgeführt. Die in den Freisinger Handschriften überlieferten Texte solcher liturgischen Dramen reichen thematisch von der Ankunft der Magier in Jerusalem bis hin zum Kindermord des zornigen Herodes in Bethlehem und der Klage Rahels über ihre unschuldig erschlagenen Kinder. Die Magierspiele gingen im 13. Jahrhundert in die Weihnachtsspiele ein, die die gesamte Weihnachtsgeschichte umfassen. Das früheste Weihnachtsspiel ist in der bedeutendsten Liederhandschrift des Mittelalters, der Carmina Burana, überliefert; das früheste volkssprachliche deutsche Weihnachtsspiel, das »Sankt Galler Spiel von der Kindheit Jesu«, ist auf das Ende des 13. Jahrhunderts anzusetzen.
 
Im Zuge der Umdeutung des kirchlichen Epiphaniefestes zum volkstümlichen Dreikönigsfest entstanden im deutschen Sprachraum spätestens seit dem 15. Jahrhundert Dreikönigsspiele, die sich von der liturgischen Funktion gelöst hatten, in deutscher Sprache verfasst waren und oft als mundartliche Sprechdramen vorgeführt wurden. Die biblische Substanz wurde zunehmend mit realistischen oder komischen Elementen vermischt; und die Spielstätte verlagerte sich vom Kircheninneren auf den Kirch- oder Marktplatz, mitunter auch in die Häuser. Vereinzelt haben sich solche Dreikönigsspiele bis ins 20. Jahrhundert erhalten.
 
 Dämonische Figuren und magische Riten um das Dreikönigsfest
 
Mit Anbruch des Dreikönigstages gehen die Zwölfnächte zu Ende. Als Zwölfnächte werden die Nächte zwischen Weihnachten und Dreikönig bezeichnet, also die Nächte vom 25./26. Dezember bis 5./6. Januar. Der Zeitraum zwischen Weihnachten und Dreikönig galt einerseits in christlicher Tradition als heilige Zeit, die durch Arbeits- und Gerichtsruhe bestimmt war; andererseits waren die Zwölfnächte um die Jahreswende im Volksglauben eine gefürchtete Zeit, die durch vorchristliche Bräuche und abergläubische Vorstellungen geprägt war: Es war die Zeit, in der dämonische Gestalten oder monströse Wesen teils mit ungeheuren Geisterscharen herumspukten, die alles mögliche Unglück bringen konnten, sofern man gewisse Tabus verletzt oder sich nicht durch Unheil abwehrende Maßnahmen geschützt hatte.
 
So pflegte im südlichen Deutschland und nordöstlichen Alpenraum eine Gestalt namens Percht bevorzugt in der letzten der Zwölfnächte mit ihrer Geisterschar umherzuziehen und zu überprüfen, ob Haus und Hof in Ordnung gebracht sowie Speisen und Gaben für sie und ihr Gefolge bereitgestellt worden waren; widrigenfalls bestrafte sie die Bewohner mit Krankheiten oder Missbildungen. Percht konnte sich allerdings auch von ihrer guten Seite zeigen und selbst zumal den Kindern Geschenke mitbringen.
 
Drei der Zwölfnächte, und zwar die erste, die vom ersten zum zweiten Weihnachtsfeiertag, die mittlere, die Nacht zum Neujahrstag, und die letzte, die Nacht zum Dreikönigstag, heißen Rau- oder Rauchnächte. Rauchnächte heißen sie deshalb, weil in ihnen einst Haus und Hof sowie Amtsgebäude mit Weihrauch eingeräuchert wurden, um böse Geister oder sonstige dämonische Figuren zu vertreiben. Raunächte werden sie anscheinend deshalb genannt, weil in ihnen noch früher die »Pelzer« umgingen: mit Pelzen und Tiermasken vermummte Gestalten, die aber nicht etwa beabsichtigten, böse Geister zu vertreiben, sondern vortäuschten, selbst welche zu sein, um so abergläubische Menschen zu erschrecken. Das Adjektiv »rau« hatte nämlich eine ältere Nebenform mit der Bedeutung »haarig, pelzig«; das Substantiv »Raunacht« spielt demnach auf jene pelzigen Gestalten oder haarigen Scheingespenster an.
 
Selbstverständlich war es in den Zwölfnächten nicht nur darum zu tun, sich vor Unheil zu schützen und böse Geister zu vertreiben, sondern auch darum, Glück und Gesundheit herbeizuführen oder wenigstens herbeizuwünschen. Zu diesem Zweck wurden gedruckte oder geschriebene Dreikönigszettel mit einem Stern oder dem Segenszeichen CMB (die Abkürzung steht zum einen für »Caspar, Melchior, Balthasar«, eben für die Heiligen Drei Könige, zum anderen für »Christus mansionem benedicat«, was bedeutet: Christus segne die Wohnung) sowie eben mit Neujahrswünschen ausgeteilt und am Haus angebracht.
 
 Das Sternsingen einst und heute
 
Der in katholischen Gebieten gepflegte Dreikönigsbrauch des Sternsingens hat sich über die Jahrhunderte hinweg der Form nach kaum verändert, sein Sinn hat sich jedoch weitgehend gewandelt: Am Dreikönigstag oder an dessen Vortagen ziehen kleine Gruppen von »Sternsingern« — meist Kinder, mitunter auch Erwachsene, die als Heilige Drei Könige verkleidet sind —, angeführt von einem »Sternträger«, der einen an einem Stab befestigten, drehbaren und beleuchteten Stern hochhält, von Haus zu Haus, singen vor oder in den Häusern »Sternlieder«, die die Geschichte der Heiligen Drei Könige zum Inhalt haben, schreiben die Segensformel »C + M + B« verbunden mit der jeweiligen Jahreszahl an den Türsturz oder die Haustür an und sprechen Neujahrswünsche aus. Dafür bekommen sie von den Hausbewohnern kleine Gaben. Während diese Gaben einst den Sternsingern selbst oder deren Leitern zukamen, werden die gesammelten Spenden heute wohltätigen Zwecken zugeführt.
 
In der Tat haben die kleinen Gaben bei der Ausbreitung sowie bei der Abschaffung des Sternsingens eine große Rolle gespielt: Zunächst begingen die Lehrer und Kantoren mit ihren Schülern das Sternsingen oft schon vor Weihnachten; sie waren angesichts ihres dürftigen Gehalts auf ein derartiges Zubrot angewiesen und ihnen allein standen die Gaben von Amts wegen zu. Das mit Geld belohnte Sternsingen ist erstmals 1541 für das Benediktinerstift St. Peter in Salzburg bezeugt. Später wurde das Sternsingen zunehmend auch von anderen Erwachsenen betrieben, die sich so vorübergehend ihren Lebensunterhalt verschafften. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts häuften sich die öffentlichen Beschwerden über einen solchen Heischebrauch: Man brandmarkte ihn als Missbrauch und beklagte sich über die allnächtlichen Umzüge, das »fürchterliche Geschrei« und die jährliche »Bettelei«. Die öffentlichen Beschwerden wurden nach einiger Zeit von der weltlichen und geistlichen Obrigkeit größtenteils erhört und das Sternsingen untersagt.
 
Der Kirche ging es bei dem Dreikönigsbrauch des Sternsingens wohl in erster Linie darum, den Sinn des Epiphaniefestes breiten Bevölkerungskreisen außerhalb des Gottesdienstes durch Ansingelieder nahe zu bringen, wie es auch zu anderen Kalenderfesten üblich war. Dass das Sternsingen sich verstärkt ab der Mitte des 16. Jahrhunderts ausbreitete, steht zudem in engem Zusammenhang mit der Gegenreformation: Der Brauch des Sternsingens wurde von katholischer Seite als Reaktion auf die reformatorische Kritik am Epiphaniefest eingeführt. Martin Luther hatte beanstandet, dass von den vier Themen, die am Epiphaniefest traditionellerweise behandelt wurden, die Ankunft der Weisen aus dem Morgenland zu Unrecht bevorzugt und die Taufe Jesu, die doch die eigentliche Hauptsache bilden sollte, vernachlässigt werde. Die Verehrung der Heiligen Drei Könige bzw. ihre Darstellung als Vorbilder der richtigen, gläubigen und tätigen Gottesverehrung hatte Luther entschieden abgelehnt, zumal er ihre Heiligkeit wie ihre Königsherkunft angezweifelt hatte; ja, er hatte sogar die Überführung ihrer Gebeine nach Köln bzw. deren Aufbewahrung im Kölner Dom als ein Lügenmärchen des Klerus angesehen. Die Reaktion der katholischen Seite auf solche Kritik bestand darin, die sanktionierten Dreikönigskulte gezielt zu fördern, wobei sie einige Kritikpunkte berücksichtigte. Ab 1560 wurden eigens für das Sternsingen Lieder geschrieben, meist mit Holzschnitten und Gebrauchsanweisungen versehen, gedruckt und auf Flugschriften verbreitet, so zuerst in Nürnberg, Augsburg, Regensburg und anderen bayerischen Städten. Die Lieder, in Dreier- oder Vierergruppen versammelt, deckten meist alle vier Themen des Epiphaniefestes ab: die Geburt und die Taufe Jesu, die Ankunft der Weisen bzw. Heiligen Drei Könige und die Hochzeit zu Kana. Mitunter wurden die Lieder von passenden Riten begleitet: der Wasserweihe, der Weihräucherung und der Haussegnung.
 
Im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts verbreitete sich das Sternsingen auch über die Grenzen des deutschen Sprachraums hinaus. Nachdem das Sternsingen gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland weitgehend abgeschafft worden war, wurde es in katholischen Gebieten teils im 19. Jahrhundert im Zuge der Restauration, teils im 20. Jahrhundert wieder belebt. Allerdings machten im 20. Jahrhundert die Nationalsozialisten damit den Anfang: Ihre Versuche, das volkstümliche Brauchtum zu politisch-propagandistischen Zwecken einzuspannen, betrafen auch das Sternsingen. Die beim Sternsingen gesammelten Spenden wurden an das Winterhilfswerk, eine nationalsozialistische Hilfsorganisation, weitergeleitet und für sozialpolitische oder propagandistische Maßnahmen verwendet.
 
Ab 1935 förderten auch das Erzbischöfliche Ordinariat, der Caritasverband und andere kirchliche Hilfsorganisationen das Sternsingen. 1959 übernahm schließlich das Päpstliche Missionswerk der Kinder in Aachen die Leitung der Organisationen und stellte das Sternsingen in den Dienst der Weltmission. Die Spenden fließen damit wohltätigen Zwecken in aller Welt, insbesondere bedürftigen Kindern in Ländern der Dritten Welt zu.
 
 
Die Heiligen Drei Könige. Heilsgeschichtlich, kunsthistorisch, das religiöse Brauchtum, herausgegeben von Adam Wiegand. Köln 1974.
 Dietz-Rüdiger Moser: Bräuche u. Feste im christlichen Jahreslauf. Brauchformen der Gegenwart in kulturgeschichtlichen Zusammenhängen. Graz 1993.
 Hermann Multhaupt: Sie knüpften ihre Träume an den Stern. .. Die Legenden der Heiligen Drei Könige nach Johannes von Hildesheim. Paderborn 1996.

Universal-Lexikon. 2012.

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